"Selbständigkeit keine Geschlechterfrage"

Bettina Zabold ist als Existenzgründungsberaterin, Vorbild-Unternehmerin und role model auf der herCAREER vertreten.
Ihre Mission: Weibliches Unternehmertum sichtbar machen!

Frau Zabold, was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich selbstständig gemacht haben?

Der Hauptgrund war, dass ich endlich mein eigenes Ding machen wollte. Nach meinem BWL-Studium habe ich in einem Verlagshaus gearbeitet und den internationalen Lizenzverkauf mit aufgebaut. Es hat sich jedoch relativ schnell abgezeichnet, dass es in diesem Unternehmen keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten für mich gibt. Im Anschluss war ich als Unternehmensberaterin in der Sanierungsberatung tätig. In dieser Zeit habe ich nicht nur sehr viel über Unternehmensführung und -steuerung gelernt, sondern auch einiges über betriebliche Herausforderungen und unternehmerische Fehlentscheidungen. Meine Tätigkeiten waren geprägt von Notfall-Einsätzen und es gehörte zur Tagesordnung, auf Situationen zu reagieren, bei denen 'das Kind bereits in den Brunnen gefallen' war. Ich hatte das Gefühl, stets einen Schritt zu langsam sein. Vor zwölf Jahren kam ich an einen Punkt, an dem ich mich öfters daran erinnerte, was ich bereits während meines Studiums immer machen wollte: Die Beschäftigung damit, wie Individuen und Unternehmen ihr Potenzial bestmöglich ausschöpfen können, indem sie selbstbestimmt handeln. Außerdem wollte ich meiner Begeisterung nachgehen können und eigenverantwortlich meine Überzeugungen und Ziele verfolgen. Dies ist auch heute noch meine Auffassung von unternehmerischer Selbstständigkeit. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meinem Unternehmergeist Raum gegeben habe. Das war bislang meine beste unternehmerische Entscheidung.

Sie wurden im Rahmen der BMWi-Initiative 'FRAUEN unternehmen' aus 360 Bewerberinnen als Vorbild-Unternehmerin ausgewählt. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, sich zu bewerben?

Ich bin mit meinen Leistungen auf der bundesweiten Gründerinnenagentur  www.existenzgruenderinnen.de vertreten. Hier wurde ich auch auf den Aufruf aufmerksam. Es war mir sehr schnell klar, dass dies eine sehr gute Möglichkeit ist, mein bisheriges Engagement in Sachen weibliches Unternehmertum mit einem politischen Auftrag und somit mit einer größeren Wahrnehmung zu verknüpfen.

Sie sind in dieser Funktion auch auf der herCAREER vertreten. Was erwarten Sie sich von dieser Messe, die sich explizit an Absolventinnen, Frauen in Fach- und Führungspositionen und Existenzgründerinnen richtet?

Ich wünsche mir, dass weibliches Unternehmertum geballt sichtbar gemacht wird vor allem auch im Rahmen von vielen interessanten Kontakten mit Gleichgesinnten, persönlichen Begegnungen, Gesprächen mit Gründungsinteressierten, Gründerinnen und etablierten Unternehmerinnen, die den Unternehmensgeist stärken und beflügeln. Weiter freue ich mich auf spannende Vorträge und Expertenwissen zu Karrierechancen in der Selbstständigkeit sowie neues Wissen und vielfältige Angebote zum Thema weibliches Unternehmertum. Als Vertreterin von 'FRAUEN unternehmen' hoffe ich, meinen Teil dazu beitragen zu können, als Vorbildrolle meine Erfahrungen zu teilen und Mut zum eigenen Weg zu machen. Ich möchte zeigen, dass eine erfolgreiche Selbstständigkeit keine Geschlechterfrage ist und wie die ersten Schritte in diese Richtung aussehen könnten.

Wie sehen dabei Ihre Aufgaben auf der herCAREER konkret aus?

Ich repräsentiere die Initiative 'FRAUEN unternehmen' und betreue in diesem Zusammenhang auch den Messeauftritt. Als Ansprechpartnerin und weibliches role model stehe ich zu allen Fragen rund um die Initiative zur Verfügung, spreche über Chancen und Herausforderungen des Unternehmertums und versuche in ersten Schritten, Gründungspersonen gezielt Unterstützung zu geben. Weiter ist die Messe auch für mich als Gründerin eine tolle Möglichkeit, mein Netzwerk weiter auszubauen.

Warum sollten Gründerinnen, Selbstständige und Studierende mit Gründungsgedanken die herCAREER besuchen?

Männer nutzen schon lange ihre Netzwerke, um beruflich nach vorne zu kommen. Auch Frauen sollten ihre Netzwerke bewusst pflegen und darauf zurückgreifen. Sie sind gemeinsam stärker und können sich gegenseitig unterstützen. Die herCAREER bietet hierzu die besten Möglichkeiten, auch, da Unternehmergeist Raum und Zeit zur Entfaltung braucht und diese Messe das richtige Milieu hierfür aufweist.

Was wünschen Sie sich von den Frauen, die Sie am Stand besuchen?

Ich wünsche mir Offenheit, Mut und Neugierde. Außerdem hoffe ich, dass sich die Frauen mit den eigenen beruflichen Wünschen auseinandersetzen und sich endlich mehr zutrauen. In einer großen deutschen Tageszeitung lautete vor einiger Zeit die Headline 'Frauen sagen nur dann, sie können etwas, wenn sie sich zu 100 Prozent sicher sind, dass sie die Aufgaben zu 120 Prozent erfüllen können'. Dies kann ich aufgrund persönlicher Erfahrungen in meinem beruflichen Umfeld nur bestätigen.

Unabhängig von der herCAREER: Wie sehen Ihre Aufgaben allgemein als 'Vorbild-Unternehmerin' aus?

Ich agiere sowohl als Rollenvorbild in der Region als auch Verbindungsglied zwischen Institutionen sowie Netzwerken und betreue die regionale Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem belebe ich das Thema 'Weibliches Unternehmertum' durch eigene Aktionen oder beteilige mich als Referentin an unterschiedlichen Events wie der 2. Women's Entrepreneurship Day (WED), der am 19. November im Rahmen der Gründerwoche Deutschland in Nürnberg stattfindet.

Warum fällt es Frauen immer noch schwerer als Männer, den Weg in die Selbstständigkeit zu finden?

Diesbezüglich möchte ich ein paar Mythen widerlegen. Es ist falsch, dass Frauen risikoscheuer als Männer sind und mehr Angst vorm Scheitern haben. Aber gerade das führen auch die Medien als typische Begründungen dafür an, dass die Anzahl der selbstständigen Frauen so gering ist. Empirisch ist dies allerdings nicht belegt. Der Soziologe Dr. René Leicht vom Institut für Mittelstandsforschung setzt sich seit Jahren mit dem Thema Frauen und Gründung auseinander. Seines Wissens gebe es keine Studie, die aufzeigt, dass Frauen bei gleichen beruflichen Karrierewegen, Bildungsressourcen  und Lebensumständen das Risiko einer Selbstständigkeit mehr scheuen als Männer. Was Frauen von Männer unter anderem unterscheidet ist, dass es sich bei ihnen tendenziell mehr um Solo- oder Nebengründung handelt. Allgemein starten Frauen mit ungünstigeren Voraussetzungen in die Selbstständigkeit, da sie oftmals Studiengänge oder Berufe wählen, die weniger in das Unternehmertum führen. Dabei hängen diese Entscheidungsmuster oftmals mit dem sozialisierten Rollenverhalten zusammen. Hier müssen Vorbilder sichtbar werden. Ein weiterer Punkt, warum Frauen weniger gründen, ist die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Großteils sind es immer noch Frauen, die diese Verantwortung übernehmen. Dies führt letztlich dazu, dass sie in ihrem Erwerbsverlauf weniger Möglichkeiten haben, die für die Selbständigkeit entscheidenden Ressourcen zu erwerben – beispielsweise finanzielle Mittel oder Netzwerke aufzubauen.

Bettina Zabold, geboren am 2. August 1974, ist Diplom-Betriebswirtin und anerkannte Beraterin unter anderem in den Bereichen Betriebswirtschaftliche Beratung, Strategie- und Konzeptberatung, Business Coaching und Fördermittelberatung. Als Vorbild-Unternehmerin ist sie Ansprechpartnerin für Gründerinnen und solche, die es noch werden möchten. Die 41-Jährige ist zudem Initiatorin des Business-Salons 'Gelber Salon' zur Vernetzung von Geschäftsfrauen. Mehr Infos unter www.gruendenundentwickeln.de

und www.gelbersalon.de

 

WED 2018

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16. November 2018. Einladung zum 5. Women's Entrepreneurship Day folgt in Kürze.

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